Nierstour – erste Etappe: Süchteln bis Geldern

Wir hatten eine tolle Idee, die bereits vor einiger Zeit enstanden ist. Einmal die Niers bis zur niederländischen Grenze bepaddeln. Dabei das gesamte Equipment von Zelt über Schlafsack und Nahrungsmitteln mit dabei. Abends schön Zelten und die Natur genießen. Leider viel das flach, denn die ersten Recherchen zeigten schnell auf, dass es so gut wie keine offizielle Zelt-Übernachtungsmöglichkeit gibt. Die eine Möglichkeit, die wir gefunden haben, war lediglich bei einem Bauern auf der Wiese. Doch diese passte nicht in unseren Tourenplan, den wir anhand unserer Fähigkeiten und unterschiedlichen Konditionen angepasst hatten. Wir, das waren Julia, Meike, Christian, Martin & Martin sowie Lars, wollten im Corona-Juni 2020 die knapp 70 Kilometer von Süchteln bis Goch paddeln. Da die Zeltoption leider nicht möglich war, mussten wir unsere Tour so aufteilen, dass wir immer an einer geeigneten Übernachtungsmöglichkeit mit Unterstellmöglichkeiten für unser Equipment anlegen mussten. Da war das Team vom Niederrhein Tourismus unsere Rettung, denn die Aufgabe war ja nicht so einfach, da unser Equipment mit 5 Personen schon sehr umfangreich war. Wir, das Team von Team von Paddeln macht Spass, waren inklusive Gepäck auf dem Wasser unterwegs. Dafür nutzten wir die folgenden Transportmöglichkeiten: ein SUP ( Tiburon von Siren), einen Canadier von Gatz sowie zwei Faltkajaks von chris-kayaks. Wie ihr seht mussten wir uns fürs erste Mal schon ganz schön einschränken, zumal Martin natürlich auch seine Foto- und Filmausrüstung dabeihatte. Diese knifflige Herausforderung meisterten wir jedoch mit viel Diskussionen, Umräumen und dummen Sprüchen.

Für unsere erste Etappe hatten wir uns direkt die Mammut-Strecke rausgesucht – von Süchteln bis Geldern. Blauäugig wie wir waren, dachten wir: die lange Strecke am ersten Tag und die zwei kürzeren Etappen gehen dann leicht von der Hand. Nun ja, dass wir auf unserer Strecke einige Herausforderungen erleben würden sei vorweggenommen – alle haben die Nacht sehr gut geschlafen!

Wenn ihr keine eignen SUPs oder Kanus habt, gibt es die ganze Niers entlang viele Bootsvermieter, die sogar einen Abholservice haben. Diese könnt ihr hier finden: https://niederrhein-tourismus.de/freizeit/alle-paddelbootvermieter-auf-einen-blick

Unseren Startpunkt konnten wir dank der freundlichen Unterstützung von Adi Hammans auf das Gelände von Hammans Freizeit in Süchteln legen. Zum einen fanden wir hier ideale Bedingungen vor, um unsere Fahrzeuge im Umfeld für die Zeit unserer Tour abstellen zu können. Außerdem konnten wir unser Equipment bis fast ans Wasser auf einen schönen Steg tragen und ganz entspannt unsere Tour starten. Wer Hammans Freizeit noch nicht kennen sollte – hier gibt es – neben dem sehr guten Kaffee – die Möglichkeiten, Kanu- und Schlauchboottouren auf der Niers zu buchen. Auch Freunde des Fahrradfahrens können mit dem „Niederrheinfahrrad“ schöne Touren buchen oder sich auch nur mal so Räder leihen. Für Gruppen bietet Adi alles, um einen tollen Tag zu verleben: Übernachtungen, Bogenschiessen, Teambuilding und ein abendliches Barbecue im Tarp-Zelt machen den Aufenthalt bei Hammans Freizeit zu einem besonderen Erlebnis am Niederrhein.

Nachdem wir nun unser Gepäck sicher auf dem Board, im Kanadier und Kajak verstaut hatten, ging es nach dem obligatorischen Team-Foto ab auf die Niers Richtung Wachtendonk. Wenn ihr nicht wie wir die Möglichkeit habt, bei Hammans Freizeit zu starten, könnte ihr ganz einfach ca. 100 Meter weiter flussabwärts den öffentlichen Einstieg in Süchteln, direkt an einer Niersbrücke / Tönisvorster Straße, nutzen.

Nun paddelten wir von Süchteln Richtung Oedt. Fast direkt nach unserem Einstieg durchfuhren wir das Naturschutzgebiet Fritzbruch. Das ist ein wunderschönes Stück Natur, durch das die Niers fließt. An vielen Stellen wird der aktuell. noch gerade Lauf der Niers renaturiert. Was wir später auf unserer Tour noch live erleben werden, liegt hier noch in naher Ferne – viel ursprüngliche Natur und eine atemberaubende Vielzahl in der Flora und Fauna. Das Naturschutzgebiet Fritzbruch umfasst 94,83 Hektar und existiert seit 1990. Es kann nicht nur per Kanu/SUP erkundet werden, sondern auch mit dem Fahrrad. Erst im letzten Jahr wurden umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen an der Niers im Bereich Fritzbruch vorgenommen, so dass wieder neuer Lebensraum für gefährdete Vogelarten entstanden ist.

Das Niersauenkonzept sieht übrigens vor, die Niers mit den angrenzenden Auenbereichen schrittweise naturnah umzugestalten, so dass Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen wiederhergestellt werden und durch Rückhaltebereiche ein wirksamer Hochwasserschutz geschaffen wird. Auf dem rund 100 Kilometer langen Niers-Radwanderweg können Sie den Fluss von der Quelle bei Mönchengladbach bis zur Mündung im niederländischen Gennep begleiten und bereits einige renaturierte Bereiche entdecken.

Nachdem wir das Naturschutzgebiet Fritzbruch verlassen hatten, ging es für uns weiter Richtung Oedt. Dort machten wir unseren ersten kleinen Zwischenstopp und schauten uns die Burg Uda an. Die Burg Uda ist Teil einer Burgruine und war Teil einer Verteidigungsanlage. An Sonntagen von April bis Oktober ist der übriggebliebene Burgrundturm für Besucher geöffnet.

Erholt von der kleinen Pause paddelten wir weiter Richtung Mülhausen. Nach einer Weile lässt man den Ort rechts liegen und kommt nach einigen Metern ins nächste Naturschutzgebiet. Das „Grasheide-Mülhausener Benden“ ist 191,07 Hektar groß und wurde im Jahr 1981 unter Naturschutz gestellt. Vorbei an Röhricht, in dem Vögel brüten können und dem großen Wiesenknopf, geht es die Niers entlang. Aufgrund des Feuchtwiesenschutzprogramms bekommt man viele Vögel zu sehen und kann die Ursprünglichkeit der Natur genießen. Vorbei geht es innerhalb der Grasheide-Mülhausener Benden auch an der Motte „Horbes Bergske“ – einer alten Fluchtburg, eine Gruppe von frühmittelalterlichen Wehrbauten, die aus Erde und Holz gebaut wurden. Diese wurden auf einem künstlich aufgeschütteten mit Graben umzogenen Hügel errichtet. Im Falle der Motte Horbes Bergske ist nur noch die Erdaufschüttung zu sehen, weshalb wir hier auch keinen Zwischenstopp gemacht haben. Nach dem Verlassen des Naturschutzgebietes Grasheide-Mülhausener Benden kamen wir paddelnd an der Neersdommer Mühle vorbei. Die Wassermühle war mit einem unterschlächtigen Mühlrad ausgestattet.

Zwischendurch bekamen wir noch überraschenden Besuch von Jens. Da er leider aus beruflichen Gründen nicht mitfahren konnte, ließ er es sich als Fotograf aber nicht nehmen, ein paar schöne Fotos vom Team auf dem Wasser zu machen!

In Wachtendonk angekommen, legten wir einen Stopp ein und Meike musste sich leider verabschieden. Wir nutzten derweil die kurze Pause, um uns das kleine Dorf anzuschauen, denn Wachtendonk hat einiges zu bieten, dass sich anzuschauen lohnt. Burg Wachtendonk ist eine Ruine einer Niederungsburg aus dem 13. Jahrhundert. In den 60er Jahren wurden die Fundamente der Burg entdeckt und freigelegt und teilweise aufgemauert. In Wachtendonk gibt es einen sehr schön restaurierten Ortskern mit alten Häusern und verwinkelten Sträßchen. Die Straßenführung ist seit mehr als 300 Jahren unverändert. Neben der Pfarrkirche „St. Michael“ aus dem Jahr 1380, befindet sich das Haus Püllen, in dem die Touristeninformation beheimatet ist, sowie das ehemalige Nonnenkloster im Ortskern.

Wachtendonk ist ebenfalls ein idealer Ausgangspunkt für Radtouren, z. B. entlang der Niers auf dem Niers-Radwanderweg. Veranstaltungen, wie etwa Frühlings- und Ostermarkt, Bücherbummel, Jazz&more an der Burgruine und die „Wachtendonker Nacht“ mit Wein-Frühschoppen auf der Weinstraße ziehen jedes Jahr viele Gäste an.

Wieder auf dem Wasser kommt man auf dem Weg nach Pont ins nächste wunderschöne Naturschutzgebiet, nämlich die Niersaue bei Wachtendonk (früher Caenheide). Dort kommt man nach einiger Zeit an den Punkt Niers trifft Nette. An diesem Punkt fließt die Nette in die Niers und war schon in der Vergangenheit ein besonderer Punkt für die Menschen. In der Nähe am linken Ufer der Nette befand sich ein runder Hügel, der mit einem Graben umgeben war. Ein dort gefundenes steinernes Opfermesser legt nahe, dass schon die Menapier, ein keltisch-germanischer Volksstamm, diesen Ort für ihre Rituale nutzten. Insgesamt zeichnet sich das Landschaftsschutzgebiet durch eine Kulturlandschaft aus offenen Wasserflächen mit Röhrichten und Feuchtwäldern aus, das von Hecken, Kopfbäumen und Pappelreihen gesäumt wird. Ein wunderschönes Fleckchen Natur, was man vom Wasser aus genießen kann.

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Achtung: Gefahrensituation für SUPer – ein kleiner Exkurs (Vielen Dank an Doris & Dirk!)

Ca. einen Kilometer nach dem Nette-Zulauf, kurz vor der Gabelung mit der „Kleinen Niers“ gibt es eine Gefahrenstelle. Nach dem Stand 11/2020 sollten SUPer hier besonders vorsichtig sein. Es wird derzeit zwar umgebaut, aber es ist leider immer noch gefährlich. Meine Finne ist hier eingerissen und wir mussten mit „Boardmitteln“ improvisieren, damit wir überhaupt weiterfahren konnten.

Zwei Wehrstufen liegen hier direkt hintereinander ohne gut sichtbare Warnhinweise oder eine vorherige Möglichkeit um aus dem Wasser zu kommen.

Die erste Wehrstufe kann man auf dem Wasser ohne Wissen leider kaum erkennen. Wenn man nicht aufpasst, macht es RUMS und die Finne wird je nach Wasserstand sehr stark beschädigt.

Die weißen Ausstiegsschilder rechts und links befinden sich erst kurz nach der ersten Wehrstufe (also leider zu spät)! Merkwürdig ist auch, dass ein Ausstieg mit Treppe auf der linken Seite zwischen den beiden Stufen gebaut wurde – also nach der unsicheren und kaum sichtbaren Stelle.

Wenn man sich aus dieser Situation befreien möchte, kann man sich auch Verletzungen zuziehen, denn im Wasser ist eine Metallspundwand eingelassen und die Kanten sind messerscharf. Canadier und Kajaks fahren einfach hinüber (oder kratzen je nach Wasserstand mit dem Boden daran), SUPs jedoch bleiben mit der Finne dort hängen und ungeübte Fahrer*innen können dort einen schmerzlichen Abgang machen.

Somit empfehlen wir euch (zum aktuellen Zeitpunkt) direkt hinter dem (leider) sehr kleinen gelben Schild „WAC 03″ auf der rechten Seite am Ufer das Wasser zu verlassen. Solltet ihr diesen Punkt verpassen, müsst ihr schon sehr gut aufpassen, dass euch die Strömung nicht in die erste Wehrstufe treiben lässt.

Der Weg dort ist zwar nicht befestigt, jedoch schon sehr gut „ausgetrampelt“. Vergesst nur beim Aufstieg nicht, eure Füße/Schuhe zu säubern – das erspart euch viel Putzarbeit!

Also rechts die Böschung hoch, über die Brücke vom Wehr der „Kleinen Niers“, dann rechts bleiben (der Einstieg links nach der zweiten Wehrstufenbrücke ist zur Zeit noch im Bau). Hier kann man nur wenige Meter nach dem Wehr wunderbar wieder einsteigen (und vorher die Füße im Wasser auswaschen!).

 

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Nachdem wir diese Herausforderung gemeistert hatten paddelten wir weiter auf dem idyllischen Weg durch die Niersaue. Unter anderem kamen wir an Haus Holtheyde vorbei. Der an der rechten Seite der Niers gelege Herrensitz gehört zu den ältesten Gebäuden der Gegend und steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Er ist in Privatbesitz.

Hinter dem Landschaftsschutzgebiet ging es weiter nach Pont. Nach ein paar hundert Metern, kamen wir an Haus Caen vorbei. Haus Caen ist ein schlossartiger Herrensitz, der aus einer typischen niederrheinischen Hofesfeste entstanden ist. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude befindet sich ebenfalls in Privatbesitz.

Kurz vor Pont kamen wir an einem weiteren Herrenhaus vorbei. Haus Vlassrath ist ein niederrheinisches Herrenhaus auf dem Gebiet der Gemeinde Straelen. Es steht am linken Ufer der Niers und geht auf einen mittelalterlichen Rittersitz zurück, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts nach einem Brand neu aufgebaut wurde.

Nachdem wir Haus Vlassrath hinter uns gelassen haben, paddelten wir weiter nach Pont. Wir ließen das Dorf links von uns liegen und paddelten weiter Richtung Geldern, was auch unser Tagesziel war. Dort angekommen mussten wir mit unseren Boards, Kajaks und Canadier mit Gepäck einen Ausstieg unter einer Brücke nutzen. Dies war gar nicht so einfach, denn zum einen war die Befestigung sehr steil und rutschig, so dass wir kaum Halt fanden und nur gemeinsam und nacheinander das Gepäck aus den Kanus holen mussten, bevor wir diese selber mit gemeinsamen Kräften aus dem Wasser tragen konnten. Zum anderen war die Strömung dort unter der Brücke etwas stärker, was unsere Situation dort auch nicht gerade erleichterte.
Nachdem wir kaputt und fertig am Ufer inmitten unserer Ausrüstung eine kleine Verschnaufpause einlegten, machte ein Martin uns darauf aufmerksam, dass wir unter einem Baum mit „Seidenprozessionsspinnern“ lagen und hier besser schnell weg sollten. Also ohne wirkliche Verschnaufpause den Rollwagen aufgeklappt, den Canadier obendrauf und das Gepäck hinein. Das SUP noch oben drauf und dann…Pustekuchen. Der Rollwagen hatte seine besten Zeiten schon hinter sich bzw. wir hätten ihn vorher besser kontrollieren müssen. Aus Fehlern lernt man und somit wurden die knapp zwei Kilometer zu unserem Hotel, dem SeePark Janssen in Geldern eine Tortur. Zum Glück konnten Jule und Chris ihre Faltkajaks einfach zusammenfalten und auf den Rücken setzen.

Wie ihr merkt ging bei diesem Ausstieg wirklich alles schief… Es gibt in Geldern ein paar vernünftige Ausstiege, nur leider nicht in der Nähe des Hotels zu dem wir wollten.

Als wir nach den sehr langen zwei Kilometern endlich am See Park Janssen angekommen waren, entschädigte uns der Service des Hotels für alle Strapazen des ersten Tages. Wir konnten unser Material ganz unkompliziert in einem nicht genutzten Tagungsraum unterstellen, nahmen uns unser Gepäck und checkten ein.
Nachdem wir uns kurz auf unseren Zimmern frisch gemacht hatten, ging es ins hoteleigene Restaurant, wo uns unser Gastgeber zum Essen eingeladen hat – Gastfreundschaft wird am Niederrhein großgeschrieben!

Nach einem feudalen Mahl waren wir zwar übermüde, schauten uns aber noch, wenn auch nur kurz, einige Sehenswürdigkeiten von Geldern an. Dort gibt es zum Beispiel die Pfarrkirche Maria Magdalena zu sehen, die ursprünglich als Klosterkirche 1339 errichtet wurde. Neben der alten Befestigung der Stadt gibt es in Geldern noch den Mühlenturm, im Süden der Innenstadt. Dieser wurde 1546 erbaut und ist der einzige erhaltene Turm der Stadtbefestigung. Die Wände sind bis zu 2,45 m dick und er hat einen Durchmesser von 8,60 m. 1643 wurde der Turm aufgestockt und zu einer Mühle umgebaut, die bis 1851 in Betrieb war. Heute wird der Mühlenturm für Kunstausstellungen genutzt.


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